Vor einigen Tagen sagte meine Frau Anne etwas ganz Einfaches. Fast beiläufig. „Hast du bemerkt? Es ist noch hell um sieben Uhr."
Das war alles. Aber in ihrer Stimme lag etwas wie Erleichterung. Wie ein langer zurückgehaltener Atem, der endlich seinen Ausweg findet.
Ja. Die Tage werden länger.
Das ist eine Erscheinung, die wir alle kennen. Die wir erwarten, ohne es zuzugeben. Die wir oft allein bemerken, in der Küche, am Fenster. Das Licht verweilt. Es scheint keine Eile zu haben aufzubrechen. Und etwas in uns — etwas, das wir nicht hätten benennen können — entspannt sich sanft.
Was ich an dieser Beobachtung liebe, ist, dass sie sich nicht leicht teilen lässt. Man kann ein Foto zeigen, einen Sonnenuntergang beschreiben, die Erdbewegung erklären. Aber das Gefühl, das dieses Licht erzeugt, das sich bis in den Abend dehnt — das kann man nur jemandem erzählen.
„Hast du heute Abend gesehen?" — „Ja. Ich habe es auch bemerkt." Diese einfachen Worte weben etwas zwischen den Menschen. Eine geteilte Aufmerksamkeit für die Welt. Ein Staunen, das von einem zum anderen wandert.
Johannes öffnet sein Evangelium mit einer Erklärung, die dem ähnelt. Kein Beweis. Kein Argument. Eine Ankündigung, fast geflüstert: „Das wahrhaftige Licht, das alle Menschen erleuchtet, kam in die Welt."
Er versucht nicht, das Licht zu beweisen. Er zeigt es an. Er sagt einfach: Schaut — es ist da.
„Das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst" (Johannes 1,5). Nicht, dass das Licht nicht da war. Aber man musste die Augen heben, um es zu sehen.
Wir brauchen jemanden, der uns sagt: Schau. Wir brauchen eine Gemeinschaft, die das Licht laut benennt. Die ersten Christen taten das miteinander.
Diese winzige Geste ist vielleicht das treueste Bild dessen, was der Glaube tut, wenn er lebendig ist: er zeigt auf ein Licht, das der andere noch nicht gesehen hatte.
„Das war das wahrhaftige Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen."
Johannes 1,9