Petrus schreibt diesen Brief um das Jahr 63, wahrscheinlich aus Rom. Er schickt ihn an Christen, die in fünf fernen Provinzen Kleinasiens zerstreut sind. Menschen weit weg von allem, isoliert, manchmal verfolgt. Diese Menschen haben Jesus nie gesehen.
Und doch schreibt Petrus — er, der alles gesehen hat, er, der Jesus berührt hat, er, der am Seeufer gegrillten Fisch mit dem Auferstandenen gegessen hat — er schreibt ihnen mit unendlicher Zärtlichkeit: „Ihr liebt ihn."
Nicht „ihr respektiert ihn". Nicht nur „ihr glaubt an ihn". Ihr liebt ihn.
Wie ist das möglich? Jemanden lieben, den man nie gesehen hat?
Stellen Sie sich eine junge Frau vor. Ihr Verlobter ist weit weggegangen. Das Einzige, was sie von ihm hat, ist ein Brief. Nur einer. Aber sie hat ihn hundertmal gelesen. Wenn sie die Schublade öffnet, in der sie ihn aufbewahrt hat, liest sie keinen Text. Sie hört eine Stimme. Sie sieht ein Gesicht. Sie spürt eine Gegenwart.
Das sind die Evangelien. Kein Theologiehandbuch. Ein Brief. Der Brief von dem, der uns liebt.
Diese Liebe zu Jesus haben Sie nicht selbst hergestellt. Etwas ist geschehen. Jemand ist gekommen. Eine Gegenwart hat sich im Unsichtbaren spürbar gemacht. Ein Frieden, der ohne Grund nach einem Gebet herabkommt.
Das ist das Werk des Geistes. Er macht Christus in unseren Herzen wirklich.
Die Liebe nährt sich nicht von großen jährlichen Erklärungen. Sie nährt sich von kleinen täglichen Aufmerksamkeiten. Vor einem schwierigen Termin: „Herr, sei da." Im Auto, im Stau steckend: „Ich denke an dich."
Petrus sagt nicht: „Ihr werdet ihn nie sehen." Er sagt: „Ihr glaubt an ihn, ohne ihn noch zu sehen." Noch nicht.
Eines Tages — und dieser Tag naht — werden wir ihn sehen. Von Angesicht zu Angesicht. Es wird nicht die Begegnung mit einem Fremden sein. Es werden Wiedersehen sein.
„Ihn liebt ihr, obwohl ihr ihn nicht gesehen habt; an ihn glaubt ihr, obwohl ihr ihn jetzt nicht seht."
1. Petrus 1,8