Ich hatte keinen bemerkenswerten Vater. Eigentlich hatte ich nie einen. Ich habe nie jemanden Papa genannt.
Der Mann, der zuhause war — inmitten von fünf Geschwistern — war gewalttätig. Er schlug meine Mutter. Ich war zu klein, um zu verstehen, was das bedeutete. Aber ich schaute. Ich speicherte alles, ohne es wirklich zu begreifen. Im Schweigen und Unwissen eines Neun-, Zehnjährigen.
Das war das Bild, das ich vom Vater hatte.
Als man mir dann von Gott dem Vater erzählte — liebend, nah, treu, über allem — wehrte sich etwas in mir, ohne dass ich es erklären konnte. Es war kein Unglaube. Es war eine Wunde. Das Bild war getrübt, noch bevor ich es wirklich hatte ansehen können.
Und dann kam eines Tages die Entdeckung der Bibel. Eine langsame, schrittweise Begegnung, die ein Gesicht enthüllte, das ich nicht kannte.
Im Evangelium nach Lukas sieht der Vater seinen Sohn von weitem und läuft ihm entgegen. In Hosea 11 ist es Gott, der sein Kind laufen lehrt und es an seine Wange hebt.
Alle Vaterschaft trägt ihren Namen von Ihm. Nicht umgekehrt. Was ich gesehen und erfahren hatte, war nicht die richtige Definition des Vaters. Es war eine gebrochene, entstellte Version. Das Original war anderswo.
Ich habe drei Töchter bekommen, dann vier Enkelkinder. Und ich habe gelernt — wirklich gelernt — Vater zu sein, Großvater zu sein. Nicht ausgehend von dem, was ich empfangen hatte. Sondern von dem, was ich in der Schrift entdeckt hatte.
Mein Vater nahm. Gott gibt. Das ist vielleicht der einfachste — und der gewaltigste — Unterschied.
Ein gewalttätiger Vater nimmt — er nimmt deine Angst, er schüttet Tonnen von Bosheit auf den Schwächeren. Gott hingegen gibt. Er gibt das Kostbarste, was er hat.
Am Ende des Weges und all der Windungen der Schrift steht ein Kreuz. Und an diesem Kreuz schlägt Gott nicht — Gott trägt. Gott nimmt nicht — Gott gibt. Bis zum Ende.
Das Vaterbild, das du trägst, hat vielleicht viel Schaden angerichtet. Aber es definiert dich nicht. Und es definiert Gott nicht. Er ist größer als das, was du erfahren hast. Sanfter. Näher.
„Darum beuge ich meine Knie vor dem Vater, nach dem alle Vaterschaft im Himmel und auf Erden benannt ist."
Epheser 3,14-15