Es gibt ein Bild, das ich nicht vergesse: ein Zug jede Stunde, getaktet, effizient, wunderbar. Und dann, durch eine unmerkliche Verschiebung, dieselbe Logik auf die Liebe angewendet. Ein Partner pro Jahreszeit. Eine erneuerbare Beziehung. Eine Zuneigung mit Verfallsdatum.
Man lacht fast — und doch ist es genau das, was unsere Zeit am Ende zu glauben begann.
Das Schöne an dieser Betrachtung ist, dass sie sich nicht damit begnügt, eine Diagnose zu stellen. Sie bekräftigt. Mit ruhiger und tiefer Überzeugung sagt sie: „Seit je hat die Liebe immer gesagt." Das ist kein romantischer Slogan. Es ist eine Aussage über das Wesen der Liebe selbst — dass sie sich nicht anders ausdrücken kann als in der Dauer, dass etwas in ihr das Immer verlangt, wie der Fluss das Meer verlangt.
Und dann dieser Satz, der mich jedes Mal berührt: „Sogar ein ganzes Leben ist kurz für eine Liebe." Dieses Paradox kehrt alles um. In einer Kultur, die sich schnell langweilt, die Neuheit sucht, die die Verbindung wie einen verbrauchbaren Dienst behandelt — hier sagt jemand, dass sechzig Jahre zusammen immer noch zu wenig ist.
Vielleicht ist die Frage nicht „ist diese Liebe es wert zu dauern?" sondern „glaube ich noch, dass Dauern möglich ist?" Denn dort beginnt alles: in diesem fragilen, hartnäckigen Glauben, dass die Liebe halten kann.
Und Gott, sagt der Text, weiß das besser als jeder andere. Er, der seit je liebt und für immer.
„Die Liebe hört niemals auf."
1. Korinther 13,8