Wettervorhersagen haben etwas Rührendes. Man hört von den Azoren, den Britischen Inseln, Skandinavien, den Südalpen. Namen wie aus einer Geografie der Kindheit.
Wir haben zum Glück wenig Wirbelstürme. Dafür gibt es dieses Azorenhoch — das über unsere Sonne wacht wie ein treuer Wachhund, zuverlässig und beruhigend. Und dann gibt es die Tiefs. Man versteht sie so gut, diese atmosphärischen Tiefdruckgebiete. Sie drehen sich gegen den Uhrzeigersinn — genau wie die anderen Tiefs, jene, die uns ungewarnt treffen und sich ebenfalls gegen den Strom des Lebens drehen, um es aufzulösen.
Vorhersage bis morgen Abend… Man muss nicht mehr auf die Abendnachrichten warten. Drei Finger auf den Bildschirm, und die ganze Woche entfaltet sich in Piktogrammen: eine Sonne, zwei Wolken, ein Regentropfen, ein Blitz. Wir scrollen die Zukunft durch, wie man früher den Postkalender umblätterte. Man nimmt das Wetter, wie es kommt — denn so aktuell die App auch sein mag, sie ändert nichts am Regenschauer.
Aber das ist kein Grund, das Leben nur an einem Regenschirm aufzuhängen.
Viele von uns leben genau so: Schirm in der Hand, Blick auf den Himmel — oder auf den Bildschirm. Wir lernen, uns zu schützen. Wir scannen nach Signalen. Wir ahnen innere Tiefs voraus wie andere den Wetterbericht konsultieren. Und schließlich verwechseln wir das Leben mit dem Management von schlechtem Wetter.
Doch unser Leben war nicht dafür geschaffen. Es war nicht dazu gedacht, an einem Regenschirm zu hängen. Es wurde gemacht, bei jedem Wetter, um hoch über den Wolken verankert zu sein.
Der Apostel Paulus schreibt es mit einer Klarheit, die unsere Gewohnheiten ein wenig aufstört: „Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist" (Kolosser 3,2). Das ist keine Flucht. Das ist keine Verleugnung des Regens. Es ist eine Verlagerung des Ankerpunkts. Der Regenschirm schützt vor dem heutigen Schauer — nützlich, sogar notwendig. Aber er hält kein Leben aufrecht. Er erhebt niemanden. Er öffnet keinen Horizont.
Über den Wolken ist der Himmel immer blau. Jeder Pilot weiß das. Jede Seele, die es gewagt hat, in der Nacht zu beten, weiß es auch. Das atmosphärische Tief sagt nicht die Wahrheit über den Himmel; es sagt nur die Wahrheit des Augenblicks. Und auch das innere Tief sagt nicht die ganze Wahrheit über uns, über Gott oder über das, was noch kommt.
Christus bietet uns einen anderen Halt. „Diese Hoffnung haben wir als sicheren und festen Anker der Seele, die auch in das Innere hinter dem Vorhang eindringt" (Hebräer 6,19). Hinter dem Vorhang — also über den Wolken. Nicht darunter, nicht daneben, nicht im Rückzug. Darüber. Dort, wo das Licht nie erlischt, auch wenn unser persönlicher Himmel sich verdunkelt.
Das beseitigt keine Tiefs. Es macht den Gläubigen nicht zu jemandem, der nie friert. Es verlagert einfach den Haltepunkt. Man kann durchnässt sein, ohne verloren zu sein. Man kann von einem Sturm durchquert werden, ohne von ihm fortgerissen zu werden. „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir" (Psalm 23,4). Der Hirte beseitigt das Tal nicht — er begleitet es.
Also heute, bei diesem Wetter — dem am Himmel und dem in deinem Herzen — lautet die Frage vielleicht nicht: „Wie vermeide ich den nächsten Schauer?" Die Frage ist vielmehr: Woran ist mein Leben verankert?
An einem Regenschirm, der hält, was er kann? Oder an diesem Anker, der hinter den Vorhang eindringt und hält, was auch immer geschieht?
„Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist."
Kolosser 3,2