Ein erfahrener Wanderer. Gut ausgerüstet. Der Stock, der im Takt auf den Boden schlägt, das GPS am Handgelenk, die Feldflasche im Rucksack. Ich kannte den Regen im Rücken, den Schweiß in den Augen, das protestierende Knie beim Abstieg, diesen Aufstieg, der kein Ende nimmt.
Ich wusste, was Gehen kostet. Ich marschierte trotzdem weiter.
Und doch hielt ich an. Auf einem Baumstamm am Wegrand sitzend.
„Wegen eines Steinchens."
Ich zog den Schuh aus und schüttelte ihn. Und was fiel heraus? Ein kleines Steinchen. So klein… so klein… Und dennoch.
Du kennst diesen Wanderer. Du hast Prüfungen durchgetragen, die die Welt groß nennen würde — Trauer, Trennungen, Krankheiten, schwere Jahre. Du hast sie getragen. Du bist weitermarschiert. Und dann hält dich eines Tages eine Kleinigkeit auf. Ein unpassend gesagtes Wort. Eine Erinnerung, die zurückkommt. Ein Groll, den man vergessen glaubte. Eine alte Scham.
Die Steine auf dem Weg können groß sein. Aber im Schuh reicht der kleinste, um zu lähmen.
Hier, glaube ich, sagt das Evangelium etwas Unerwartetes.
Christus hat die Steine nicht von meinem Weg geräumt. Er hat keine glatte Straße ohne Hindernisse, ohne Steigungen und Gefälle versprochen. Das Leben des Jüngers ist kein Spaziergang — es ist ein Marsch, manchmal fordernd, oft steil.
Aber er hat alles getan, damit wir keine mehr in unseren Schuhen tragen.
Das heißt: Er hat sich um das Innere gekümmert. Um das, was uns nicht aufgrund äußerer Umstände am Gehen hindert, sondern aufgrund dessen, was wir innerlich tragen. Die Schuld. Die ungeheilte Wunde. Die Sünde, die man mit sich schleppt. Die Bitterkeit, die man ungewollt nährt.
Gnade ist nicht die Abwesenheit von Hindernissen auf dem Weg. Es ist die Freiheit, ohne Steinchen im Schuh zu gehen.
„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken."
Matthäus 11,28