Es ist ein banales Foto. Schnell aufgenommen auf dem Gipfel, nur um eine Erinnerung zu bewahren. Das Kreuz, der Himmel, das Licht des Abends.
Und dann, beim genaueren Hinsehen, eine Silhouette zu Füßen des Kreuzes — gebeugt, wie von einer unsichtbaren Last erdrückt. Ich brauchte einen Moment, um sie zu erkennen. Es war mein Schatten.
Es gibt Wahrheiten, die wir nur aus der Ferne sehen, oder zufällig, oder wenn jemand — oder etwas — uns einen unerwarteten Spiegel vorhält. An jenem Tag spielte ein Foto diese Rolle. Es zeigte mir, was ich nicht sehen wollte: dass die Müdigkeit des Aufstiegs nicht nur in meinen Beinen war. Sie war tiefer. Eine Last, die ich schon lange trug, so gewohnt, dass ich nicht mehr daran dachte.
Wir tun das oft. Wir lernen zu tragen. Wir gewöhnen uns daran. Und am Ende glauben wir, dass es normal ist, gebeugt vorwärtszugehen.
Aber das Kreuz ist dort, auf dem Gipfel. Es ist nicht da, um die Landschaft zu schmücken. Es ist da, um zu empfangen, was wir nicht mehr alleine tragen können.
Jesus sagt nicht: „Erkennt eure Lasten." Er sagt: „Kommt zu mir." Es genügt nicht, das Gewicht zu benennen — man muss es ablegen. Diese Geste, einfach und doch schwer zugleich, steht im Herzen des Glaubens.
„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken."
Matthäus 11,28