Eine neue Brille — klarer Blick auf die Welt
Betrachtung · 15. März 2026

Eine neue Brille

An jenem Morgen hätte ich fast eine Straßenlaterne gegrüßt. Es schien mir ein guter Zeitpunkt, einen Termin beim Augenarzt zu vereinbaren.

An jenem Morgen hätte ich fast eine Straßenlaterne gegrüßt.

Es schien mir ein guter Zeitpunkt, einen Termin beim Augenarzt zu vereinbaren.

Den Rest kennen Sie vielleicht: das Wartezimmer, die Maschine, die wie ein Raumschiff aussieht, die Gläser, die aufeinanderfolgen, während der Arzt geduldig fragt „Besser so? Und jetzt?" — und man antwortet „Hm… ich glaube?" mit dem konzentrierten Gesichtsausdruck von jemandem, der nicht genau weiß, was er sucht.

Und dann plötzlich das richtige Paar. Und alles wird scharf. Die Umrisse, die Farben, die Details, die man nicht mehr sah, seit so langer Zeit, dass man am Ende glaubte, es sei normal, unscharf zu sehen.

Als ich mit meiner neuen Brille wegging, dachte ich, dass das geistliche Leben manchmal so ist. Man gewöhnt sich an verschwommenes Sehen. Man hält für Gewissheiten, was nur Nebel ist. Man verwechselt seine Ängste mit der Wirklichkeit, seine Zweifel mit der Wahrheit.

Und Gott wartet — geduldig, ohne zu spotten — darauf, uns eine Korrektur anzubieten. Keine erzwungene Revolution. Nur: „Besser so?" Er erprobt mit uns, verfeinert, erhellt schrittweise, was im Schatten war.

Paulus bekam auf dem Weg nach Damaskus eine ziemlich radikale Brille. Ein Licht, ein Sturz — und alles, was er klar zu sehen glaubte, entpuppte sich von Anfang an als verschwommen.

„Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht."

1. Korinther 13,12

Wobei braucht dein Blick gerade eine kleine Korrektur?

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