Gelesen von einer KI-Stimme
„Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken."
Matthäus 11,28
Beim Trekking geht man stundenlang unter der Sonne. Der Pfad steigt an, und der Rucksack wird mit jedem Kilometer ein wenig schwerer. Und die hochgelegenen Dörfer, die man durchquert, haben, ohne es zu sagen, alles, was der Wanderer braucht: in der Kirche kühlen Schatten und oft eine vergessene Steckdose in einer Ecke, um das Handy aufzuladen; auf dem Friedhof eine Wasserstelle — gedacht für die Blumen auf den Gräbern, und doch füllt sie auch die Feldflasche des Lebenden. Schatten, ein wenig Strom, Wasser. Man empfängt, noch ehe man gebeten hat.
Man stößt die Kirchentür auf. Und zuerst sieht man nichts. Die volle Sonne hat einen blind gemacht; drinnen ist nur ein schwarzes Loch, in dem man kaum eine Bank erahnt. Es braucht Zeit, sich zu gewöhnen.
Und da kommt mir stets eine sonderbare Frage, noch ehe sich meine Augen gewöhnen: darf ich meinen Rucksack ablegen? Ihn hinter einer Bank zurücklassen und frei durch die kühlen Gänge schlendern?
Man zögert. Dieser Rucksack ist alles, was man trägt: das Wasser, den Proviant, das Nötige, das Gewicht des Tages. Man hat ihn seit dem Morgengrauen auf dem Rücken. Sich davon zu lösen, auch nur für einen Augenblick, versteht sich nicht von selbst. Und doch, solange man ihn behält, bleibt man ein wenig gebeugt — man geht nur vorüber.
Es gibt ein Wort, das für den gemacht scheint, der so ankommt, schweißgebadet und beladen: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken" (Matthäus 11,28). Beladen. Das Wort ist beinahe wörtlich. Christus verlangt nicht zuerst, dass man versteht, noch dass man es recht macht. Er verlangt, die Last abzulegen.
Also legt man sie ab. Man setzt sich. Man wird still. Und erst dann, den Rucksack am Boden und den Körper endlich zur Ruhe gekommen, gewöhnen sich die Augen an das Dämmerlicht. Das Kirchenschiff nimmt langsam Gestalt an: die Säulen steigen zu Gewölben empor, die man nicht geahnt hatte, ein ganzes Schiff aus Stein, das dort wartete, geduldig. Nichts hat sich am Gebäude verändert. Ich bin es, der stehengeblieben ist und der endlich sieht.
Ruhe und Blick gehören zusammen. Solange ich gebeugt unter meinem Rucksack gehe, sehe ich nichts; erst wenn ich ihn ablege, schenkt sich mir der Ort.
Diese Woche kann ich mir eine Frage stellen: bin ich bereit, meine Last abzulegen? Braucht es einen besonderen Ort, einen zermürbenden Weg, eine Herausforderung, der man sich stellt? Oder genügt es, einfach dem zu begegnen, der mich davon befreien kann — und endlich lange genug innezuhalten, damit meine Augen und mein Herz sich auf seine Gegenwart einstimmen können?