Das Bildnis, das niemand zu malen vermocht hatte
Gelesen von einer KI-Stimme
In einem Bergdorf hatte ein alter Maler sein Leben lang Gott dargestellt. Er hatte weite Himmel gemalt, Blitze, Throne aus Feuer. Die Leute bewunderten seine Bilder, doch wenn sie sein Atelier verließen, gingen sie ein wenig beunruhigter nach Hause: Dieser Gott war groß, gewiss, aber fern, unnahbar.
An einem Winterabend klopfte ein junger Mann an seine Tür, starr vor Kälte. Der Maler ließ ihn eintreten, teilte sein Brot, entzündete das Feuer und hörte seinem Kummer bis tief in die Nacht zu. Am Morgen war der Fremde fort. Doch auf dem Tisch hatte er einen kurzen Zettel hinterlassen: „Heute Nacht hast du mir den Vater besser gezeigt als alle deine Bilder."
Der alte Mann blieb lange reglos sitzen. Endlich verstand er, was er sein Leben lang gesucht und nie gefunden hatte. Gott hatte sich nicht damit begnügt, aus der Ferne bewundert zu werden: Das Wort war Fleisch geworden und hatte unter uns gewohnt (Johannes 1,14). Der, der in Gottes Gestalt war, hatte an seinem Rang nicht wie an einer Beute festgehalten, sondern sich selbst entäußert und Knechtsgestalt angenommen (Philipper 2,6-7) — bis dahin, sich an einen Tisch zu setzen, Brot zu teilen, einem müden Herzen zuzuhören.
Der Maler nahm seine Pinsel wieder zur Hand. Doch diesmal versuchte er nicht mehr, Gottes Gesicht mit Blitzen zu erfinden. Er malte einen Menschen, der sich einem anderen zuneigte. Denn er hatte begriffen, dass dieser Jesus keine blasse Kopie des Vaters war: Er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens (Hebräer 1,3), und in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig (Kolosser 2,9). An ihm ist nichts ungefähr. Er ist das Amen, der treue und wahrhaftige Zeuge (Offenbarung 3,14) — Gottes endgültiges „Ja" an die Menschheit.
Wir alle tragen ein Bild von Jesus im Kopf. Doch die wahre Antwort auf „Wer ist er?" gibt er uns nicht, indem er sich beschreibt: Er gibt sie, indem er sich an unseren Tisch setzt. „Wer mich sieht, der sieht den Vater."